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 Erinnern, versöhnen, gemeinsam Verantwortung tragen für unsere Zukunft

 120 Jahre Berliner Konferenz 1884/85

 Kundgebung

 Die Kundgebung fand am Montag, den 15. November 2004
um 15:00 Uhr in der Wilhelmstraße 92 (ehem. Wilhelmstr. 77, Reichkanzlerpalais) mit der Errichtung einer provisorischen Gedenktafel statt.

Beim Auftakt und Abschluss sprachen

 Dr. Victor Dzidzonou (Vorsitzender Afrika-Forum e.V.)

Hans-Christian Ströbele MdB (Abschlusskundgebung)

Moderation: Jörn Jensen Bezirksbürgermeister a.D.


Am 15. November 2004 jährte sich der Beginn der Berliner Afrika-Konferenz, die auch als Westafrika-Konferenz oder "Kongo-Konferenz" in die Geschichte eingegangen ist, zum hundertzwanzigsten Male. Reichskanzler Bismarck lud die damals in Afrika präsenten europäischen und überseeischen Mächte - u. a. England, Frankreich, Belgien, Portugal, Italien, Spanien, das Osmanische Reich und schließlich die USA  - ein. Besonders Belgien machte Interessen am Kongogebiet geltend und dies führte zu Unstimmigkeiten und Konflikten zwischen den Kolonialmächten. Diese Konflikte zu entschärfen und durch multilaterale Abkommen zu kanalisieren, war die Intention Bismarcks. Im Vordergrund seiner Politik stand nicht die Aufteilung Afrikas, sondern der Interessen-Ausgleich der europäischen und aussereuropäischen Großmächte. Im Ergebnis wurde der Interessenausgleich zwischen den Teilnehmern jedoch auf Kosten Afrikas vorgenommen und so markiert die Konferenz unstreitig den Wendepunkt von der schrittweisen Ausdehnung der diversen Kolonien hin zu einer lückenlosen Aufteilung Afrikas (bis auf Äthiopien und Liberia). Eine effizientere Kolonialisierung durch gegenseitige Akzeptanz der Kolonialmächte war die Folge. Afrika und die Afrikaner traten bei der Konferenz nur als Gegenstand europäischer Politik auf; sie wurden als politische Subjekte ausgegrenzt: kein einziger afrikanischer Teilnehmer war geladen worden.

Auch für die deutsche Politik stellt die Konferenz einen historischen Wendepunkt dar, denn die bisher nur privat erworbenen Gebiete (u.a. von A. Lüderitz) wurden offiziell deutsches Interessengebiet. 

Traurige mediale Berühmtheit kann nach wie vor die den Tagungsraum beherrschende Afrikakarte des Geographen Richard Kiepert beanspruchen. Noch heute sind Grenzen afrikanischer Staaten so wie mit dem Lineal auf dieser Karte 1884/85 gezogen.

Der Tagungsort, das Reichskanzlerpalais in der Wilhelmstr. 77, das die Konferenz vom 15. November 1884 bis 26. Februar 1885 beherbergte, ist längst aus dem Stadtbild verschwunden.

Ein kritischer Umgang auch mit dem historischen Erbe ist Bestandteil einer fundierten politischen Bildung. Das historische Datum ist Anlass, die Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit der Deutschen zu führen. Eine Veranstaltung zu diesem Ereignis, das das Interesse an und auch die Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit weckt, erscheint als ein wichtiger Schritt zur Völkerverständigung und zur Vermittlung interkultureller Kompetenzen an heutige Generationen. In unserer modernen Erinnerungskultur gibt es einen unverkennbaren Bedarf an Gedenkzeitpunkten, an denen sich das Kollektive Gedächtnis orientieren kann.

Hundertzwanzig Jahre Berliner Konferenz sind daher ein Anlass zum Innehalten und Nachdenken, aber durchaus kein Fetisch. Eine differenzierte Sichtweise der politischen Funktion dieser Konferenz für die koloniale Geschichte, die einen Kontinent bis heute in Abhängigkeit hält, ist dabei genauso unerlässlich wie ein Gedenken über den Anlass hinaus.


Bilder zu der Kundgebung und Festakt zur Enthüllung der provisorischen Gedenktafel
am 15. 11. 2004, in der Wilhelmstraße 92 (ehem. Reichkanzlerpalais)
in Berlin-Mitte

 

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Einführende Rede von Jörn Jensen, Bezirksbürgermeister a.D.

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Die endgültige Gedenktafel

Wilhelmstraße 92
Berlin-Mitte

Eingeweiht am 26. Februar 2005
 

Erinnern, versöhnen, gemeinsam Verantwortung tragen für unsere Zukunft

 Berliner Konferenz 1884/85 –

d.h. Entwürdigung, Entrechtung und Enteignung der Afrikaner sowie die Zerstörung der fremden Kulturen des afrikanischen Kontinents durch Selbstherrlichkeit und Habgier, nationalistischen und rassistischen Geist der Teilnehmerländer

 Am 15. November 1884 fand die Berliner Afrika-Konferenz, die auch als Westafrika-Konferenz oder "Kongo-Konferenz" in die Geschichte eingegangen ist, an dieser Stelle statt. Reichskanzler Otto von Bismarck lud die damals in Afrika präsenten europäischen und überseeischen Mächte - u. a. England, Frankreich, Belgien, Portugal, Italien, Spanien und nicht zuletzt auch die USA  - ein. Afrika und die Afrikaner traten bei der Konferenz nur als Gegenstand europäischer Politik auf; sie wurden als politische Subjekte ausgegrenzt: kein einziger afrikanischer Teilnehmer war geladen worden. Besonders der belgische König machte private Interessen am Kongogebiet geltend und dies führte zu Unstimmigkeiten und Konflikten zwischen den Kolonialmächten. Diese Konflikte zu entschärfen und durch multilaterale Abkommen zu kanalisieren, war die Intention Bismarcks. Im Vordergrund seiner Politik stand nicht die Aufteilung Afrikas, sondern der Interessen-Ausgleich der europäischen und außereuropäischen Großmächte. Eine effizientere Kolonialisierung durch gegenseitige Akzeptanz der Kolonialmächte war die Folge. Im Ergebnis wurde der Interessenausgleich zwischen den Teilnehmern jedoch auf Kosten Afrikas vorgenommen. So markiert die Konferenz unstreitig den Wendepunkt von der Schrittweisen Ausdehnung der diversen Kolonien hin zu einer lückenlosen Aufteilung Afrikas (bis auf Äthiopien und Liberia), die dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen abgeschlossen war.

 

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