2005
26. Februar
Einweihung der Gedenktafel zur Berliner Westafrika-Konferenz 1884/85
Pressemitteilung
Sehr geehrte Damen und
Herren,
Gerne möchten wir Ihnen eine unserer
Veranstaltungen zur Kenntnis bringen. Diese findet 26.2.05 um 11.00 Uhr
in der Wilhelmstr. 92 in Berlin-Mitte statt.
Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des
Afrika-Forums e.V., das seit 1996 für den Nord-Süd-Dialog in Berlin tätig
ist, sind wir schon seit geraumer Zeit dabei, uns an der Bewältigung der
kolonialen Vergangenheit Deutschlands zu beteiligen, die zuletzt u.a. durch
Gedenktage wie an den Völkermord an den Herero und Nama stärker in den
Blickpunkt geraten ist. Beispielsweise haben wir zusammen mit dem Verein
Farafina e.V. 2003 die Ausstellung Afrika an der Spree – Eine Spurensuche
zur deutschen Kolonialepoche und parallel dazu gemeinsam mit der
Heinrich-Böll-Stiftung die Konferenz Koloniales Erbe, Koloniales
Trauma und Reparationen projektiert.
Am 15.
November 2004 haben wir nun anlässlich des hundertzwanzigsten Jahrestages des
Beginn der Berliner Afrika-Konferenz von 1884, die auch als
Westafrika-Konferenz oder "Kongo-Konferenz" in die Geschichte eingegangen ist,
an historischen Ort im Beisein von Hans-Christian Ströbele, Jörn Jensen,
Joachim Zeller und anderen eine zunächst provisorische Gedenktafel enthüllt.
In der Zwischenzeit ist die künstlerisch aufwendig gestaltete Originaltafel
kurz vor der Fertigstellung, die wir am 26.2.05 ebenfalls mit einem kleinen
Festakt zu enthüllen beabsichtigen.
Auch für die deutsche Politik stellt die
Konferenz einen historischen Wendepunkt dar, denn die bisher nur privat
erworbenen Gebiete (u.a. von A. Lüderitz) wurden offiziell deutsches
Interessengebiet.
Traurige mediale Berühmtheit kann nach wie vor
die den Tagungsraum beherrschende Afrikakarte des Geographen Richard Kiepert
beanspruchen. Noch heute sind Grenzen afrikanischer Staaten so wie mit dem
Lineal auf dieser Karte 1884/85 gezogen.
Der Tagungsort, das Reichskanzlerpalais in der
Wilhelmstr. 92 (ehem. Wilhelmstr. 77), das die Konferenz vom 15. November
1884 bis 26. Februar 1885 beherbergte, ist längst aus dem Stadtbild
verschwunden.
Ein kritischer Umgang auch mit dem
historischen Erbe ist Bestandteil einer fundierten politischen Bildung. Das
historische Datum ist Anlass, die Auseinandersetzung mit der kolonialen
Vergangenheit der Deutschen zu führen. Eine Gedenktafel zu diesem Ereignis,
das das Interesse an und auch die Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit
weckt, erscheint als ein wichtiger Schritt zur Völkerverständigung und zur
Vermittlung interkultureller Kompetenzen an heutige Generationen. In unserer
modernen Erinnerungskultur gibt es einen unverkennbaren Bedarf an
Gedenkzeitpunkten, an denen sich das Kollektive Gedächtnis orientieren kann.
Hundertzwanzig Jahre Berliner Konferenz sind
daher ein Anlass zum Innehalten und Nachdenken, aber durchaus kein Fetisch.
Eine differenzierte Sichtweise der politischen Funktion dieser Konferenz für
die koloniale Geschichte, die einen Kontinent bis heute in Abhängigkeit hält,
ist dabei genauso unerlässlich wie ein Gedenken über den Anlass hinaus.
Mit dieser Gedenktafel nicht nur
erinnern, sondern auch Denkanstöße für die Zukunft geben, wie man eingedenk
der geschichtlichen Verantwortung, gemeinsam mit den afrikanischen
Gesellschaften, ein demokratisches, friedliches und prosperierendes Afrika
politisch gestalten und einen anhaltenden Austausch zwischen Afrika und
Europa fördern kann. An einer Stätte, an der einst tiefgreifende politische
Entscheidungen gefallen sind, soll nicht zuletzt auch die Politik
aufgefordert werden, die deutsch-afrikanischen Beziehungen auf die
Tagesordnung zu setzen.
Wir würden Sie sehr gerne bei der
Enthüllung der endgültigen Gedenktafel am 26. Februar 2005 um 11.00 Uhr in der
Wilhelmstr. 92 in Berlin-Mitte begrüßen.
PRORAMM
1. Begrüßung und
Einführung
- Dr. Victor Dzidzonou
Afrika-Forum e.V.
-
Musikalische Einführung
Die Steelband-AG der Menzel-Oberschule
2. Es sprechen:
- Dr. Uschi Eid
Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
- Detlef Dzembritzki
Stellv. Vorsitzender des Ausschusses für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung im Deutschen Bundestag
- Claudia Roth
Bundesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen
- Gerd Decke
Direktor des Berliner Missionswerkes
- Musik
Die Steelband-AG der Menzel-Oberschule
- Günter Piening
Beauftragter des Senats von Berlin
für Integration und Migration
- Dr. Andreas Nachama
Geschäftsführender Vorsitzender
der Stiftung Topographie des Terrors
3. Enthüllung der Gedenktafel
Schlußwort